Na klar, bei einem Projekt wie der geplanten Erlebnisaue werden Planungs- und Architekturbüros hellhörig. Schließlich geht es um ein gewaltiges Areal, umfangreiche Planungen und vermutlich jede Menge Geld, das investiert werden soll. Für die beteiligten Büros dürfte das Projekt durchaus attraktiv sein. Aber welchen konkreten Mehrwert hat es eigentlich für die Bürgerinnen und Bürger Dormagens?
Während Schulen, Sportvereine und andere Schwimmangebote mit fehlenden Wasserflächen kämpfen und Aktivitäten möglicherweise ausfallen müssen, träumt man in Dormagen offenbar von einer riesigen Erlebnisaue. Die Prioritäten muss man sich erst einmal leisten können!
Eine Stadt, in der es an so vielen Stellen dringenden Handlungsbedarf gibt, plant ein Freizeitprojekt auf einer Fläche von sage und schreibe 18 Fußballfeldern. Achtzehn! Da darf man durchaus die Frage stellen, ob hier wirklich nach den dringendsten Bedürfnissen der Bevölkerung entschieden wird oder ob man sich lieber ein prestigeträchtiges Projekt ins Schaufenster stellen möchte.
Und das alles in einer Stadt, deren Haushalt ohnehin unter erheblichem Druck steht. Aber was soll’s? Wenn die finanziellen Spielräume ohnehin knapp sind, kommt es auf ein weiteres Großprojekt offenbar auch nicht mehr an. Ironie aus.
Denn die entscheidende Frage ist doch nicht, wie schön sich eine Erlebnisaue auf Hochglanzbroschüren und in Präsentationen darstellen lässt. Die entscheidende Frage lautet: Wer soll das alles bezahlen – heute und in den kommenden Jahrzehnten?
Wie viele Menschen werden die Anlage tatsächlich regelmäßig nutzen? Wie hoch sind die Bau- und Planungskosten? Wer übernimmt die Pflege, die Instandhaltung und die laufenden Betriebskosten? Was passiert, wenn die Kosten steigen, die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben oder notwendige Reparaturen anstehen?
Denn eines sollte jedem klar sein: Mit der Eröffnung ist es nicht getan. Eine derart große Anlage muss dauerhaft gepflegt, unterhalten und finanziert werden. Und diese Rechnung verschwindet nicht einfach, nur weil das Projekt irgendwann feierlich eingeweiht wurde.
Bevor man Millionen in ein solches Vorhaben investiert, sollte man zunächst dafür sorgen, dass die grundlegenden Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger erfüllt werden. Ausreichende Schwimmflächen für Schulen und Vereine, funktionierende Sportangebote und eine solide kommunale Finanzplanung sind keine Nebensächlichkeiten. Sie gehören zu den Aufgaben, die Priorität haben sollten.
Dormagen braucht keine Prestigeprojekte, deren langfristiger Nutzen und finanzielle Folgen nicht überzeugend belegt sind. Dormagen braucht eine Politik, die nachvollziehbar erklärt, warum sie Geld ausgeben will, welche Probleme sie damit löst und welche anderen Vorhaben dafür möglicherweise zurückstehen müssen.
Und deshalb die ganz einfache Frage an die Verantwortlichen:
Ist die Erlebnisaue wirklich das, was Dormagen jetzt dringend braucht – oder wäre es nicht vernünftiger, erst einmal die bestehenden Probleme anzupacken, bevor man sich das nächste teure Projekt ans Bein bindet?
Aber gut: Wenn man sonst keine Probleme hat, schafft man sich eben welche. Und bei 18 Fußballfeldern gibt es wenigstens genug Platz, um sich über die Rechnung Gedanken zu machen.
Genau mein Humor.