Sozialkaufhaus in Dormagen: Warum jetzt ein teurer Neubau?

Die Pläne für ein neues, zweistöckiges Sozialkaufhaus in Dormagen werfen Fragen auf. Grundsätzlich ist die Idee eines Sozialkaufhauses zu begrüßen. Solche Einrichtungen schaffen die Möglichkeit, gebrauchte Waren weiterzuverwenden, Menschen mit geringem Einkommen zu unterstützen und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Doch die entscheidende Frage lautet: Warum soll dafür nun ein Neubau entstehen?

Wer sich etwas länger an die kommunalpolitischen Diskussionen in Dormagen erinnert, wird sich möglicherweise an die Zeit erinnern, als die ehemalige Schlecker-Filiale – heute als Saitoki bekannt – leer stand. Damals wurde im Stadtrat vorgeschlagen, genau dort ein Sozialkaufhaus einzurichten. Die Voraussetzungen waren vorhanden: ein bestehendes Gebäude, eine funktionierende Infrastruktur und die Chance, ohne größere Investitionen ein solches Projekt zu realisieren.

Der damalige Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit. Die etablierten Parteien lehnten ihn geschlossen ab. Aus Sicht der Antragsteller entstand damals der Eindruck, dass weniger die Idee als vielmehr deren politische Herkunft ausschlaggebend für die Entscheidung war. Ob dies tatsächlich der Fall war, lässt sich heute nur schwer beurteilen. Fest steht jedoch: Die Chance, ein Sozialkaufhaus kostengünstig in einer vorhandenen Immobilie unterzubringen, wurde nicht genutzt.

Umso erstaunlicher erscheint nun die aktuelle Entwicklung. Statt auf bestehende Gebäude zurückzugreifen, wird über einen zweistöckigen Neubau nachgedacht. Damit verbunden sind zwangsläufig erhebliche Investitionskosten, die letztlich von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Gerade in Zeiten angespannter kommunaler Haushalte sollte jedoch jede Ausgabe besonders sorgfältig geprüft werden.

Denn die finanzielle Situation der Stadt Dormagen ist alles andere als komfortabel. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie die Stadt ihre Haushaltslage stabilisieren kann. Gleichzeitig steigen die Belastungen für Bürgerinnen und Bürger kontinuierlich an. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob ein Neubau tatsächlich die wirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt oder ob nicht erneut geprüft werden sollte, ob geeignete Bestandsimmobilien zur Verfügung stehen.

Hinzu kommt, dass viele Bürger bereits jetzt mit zusätzlichen finanziellen Belastungen rechnen. So wird die Einführung der Grundsteuer C zum 1. Januar 2027 als weiteres Instrument gesehen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Während auf der einen Seite neue Einnahmequellen erschlossen werden sollen, werden auf der anderen Seite Projekte diskutiert, deren tatsächliche Kosten bislang nicht vollständig bekannt sind.

Genau deshalb braucht es Transparenz. Die Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, welche Kosten für Planung, Bau und späteren Betrieb des Sozialkaufhauses entstehen werden. Ebenso sollte offengelegt werden, welche Alternativen geprüft wurden und warum diese verworfen wurden. Nur so kann nachvollzogen werden, ob ein Neubau tatsächlich notwendig ist oder ob günstigere Lösungen existieren.

Niemand stellt den sozialen Gedanken eines Sozialkaufhauses infrage. Die Frage ist vielmehr, ob dafür ein kostspieliger Neubau errichtet werden muss, während die Stadt gleichzeitig über knappe Kassen klagt und die Bürger mit weiteren Abgaben rechnen müssen.

Am Ende wird entscheidend sein, wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen und welchen Nutzen das Projekt langfristig für die Stadtgesellschaft bringt. Bis dahin bleibt die Frage erlaubt: Warum wird heute über einen Neubau nachgedacht, während eine deutlich günstigere Lösung in der Vergangenheit keine politische Mehrheit gefunden hat? Die Verantwortlichen im Rathaus und im Stadtrat sollten darauf überzeugende Antworten liefern.

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