Seit Jahren setzt die Stadt Dormagen gemeinsam mit der SWD auf das Leitbild einer modernen, digital vernetzten Stadt. Seit der Gründung der SWD im Jahr 2017 wurden zahlreiche Projekte angestoßen, die Dormagen als innovativen Standort positionieren sollen. Dazu gehören unter anderem digitale Infrastrukturmaßnahmen, Datenerfassungssysteme und zuletzt auch der Einsatz moderner KI-gestützter Kameratechnik. Die zugrunde liegende Idee ist nachvollziehbar: Durch Digitalisierung sollen Prozesse effizienter gestaltet, die Lebensqualität verbessert und neue wirtschaftliche Impulse geschaffen werden.
Dennoch stellt sich die Frage, ob die Bürgerinnen und Bürger von Dormagen bislang tatsächlich von diesen Maßnahmen profitieren.
Wer durch die Innenstadt geht, erkennt nur schwer die versprochenen positiven Veränderungen. Trotz jahrelanger Investitionen und einiger Ankündigungen hat sich das Stadtbild aus Sicht vieler Einwohner nicht spürbar verbessert. Vielmehr entsteht bei einigen der Eindruck, dass sich bestimmte Probleme verfestigt haben, während sichtbare Erfolge ausbleiben.
Besonders kritisch wird die Frage nach dem Nutzen der gesammelten Daten betrachtet. Moderne Sensorik und KI-Systeme sollen Informationen liefern, die Verwaltung und Stadtentwicklung unterstützen. Doch Daten allein schaffen noch keine Verbesserungen. Entscheidend ist, welche konkreten Maßnahmen daraus entstehen und ob diese für die Bevölkerung erkennbar sind. Bislang fehlt vielen Bürgern die Transparenz darüber, welche Ergebnisse die Datenerhebung tatsächlich hervorbringt und welchen messbaren Mehrwert sie für die Stadt bietet.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Perspektive. Eines der häufig genannten Ziele digitaler Standortentwicklung besteht darin, innovative Unternehmen anzuziehen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Betrachtet man jedoch die Entwicklung des Einzelhandels und der Gewerbelandschaft, fällt es schwer, einen klaren Zusammenhang zwischen den Digitalisierungsprojekten und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Belebung zu erkennen. Neue technologieorientierte Unternehmen oder größere Investitionen, die das Stadtbild und die lokale Wirtschaft nachhaltig prägen würden, sind bislang kaum sichtbar.
Stattdessen entsteht bei manchen Bürgern der Eindruck, dass sich das Angebot in Teilen der Innenstadt zunehmend auf Branchen wie Shisha-Bars, Barber-Shops, Kioske, Mobilfunkgeschäfte, Nagelstudios und Imbisse konzentriert. Diese Betriebe sind selbstverständlich Teil einer freien Marktwirtschaft und erfüllen eine Nachfrage. Dennoch wirft die Entwicklung die Frage auf, ob die ambitionierten Digitalisierungsstrategien tatsächlich dazu beitragen, die wirtschaftliche Vielfalt und Attraktivität des Standorts Dormagen langfristig zu stärken.
Auch die finanzielle Dimension darf nicht ausgeblendet werden. Digitale Infrastruktur, intelligente Kamerasysteme und Datenauswertungen verursachen erhebliche Kosten, die letztlich aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Gerade deshalb besteht ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit daran zu erfahren, welche konkreten Ergebnisse mit diesen Investitionen erzielt werden. Wo bleiben die nachweisbaren Verbesserungen? Welche Kennzahlen belegen den Erfolg der Maßnahmen? Und wann werden die Bürger die versprochenen positiven Auswirkungen tatsächlich spüren?
Innovation ist kein Selbstzweck. Moderne Technologie kann Städte voranbringen, wenn sie konkrete Probleme löst und einen erkennbaren Nutzen schafft. Ohne sichtbare Ergebnisse droht jedoch die Gefahr, dass teure Projekte vor allem als Symbolpolitik wahrgenommen werden. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Digitalisierung grundsätzlich sinnvoll ist, sondern ob die eingesetzten Mittel in einem angemessenen Verhältnis zu den erzielten Erfolgen stehen.
Dormagen braucht Zukunftsprojekte. Gleichzeitig braucht die Stadt aber auch eine ehrliche Bilanz darüber, welche Maßnahmen funktionieren und welche möglicherweise überdacht werden sollten. Die Bürger haben ein berechtigtes Interesse daran, dass öffentliche Gelder dort eingesetzt werden, wo sie einen nachhaltigen Mehrwert schaffen – sei es bei der Wirtschaftsförderung, der Innenstadtentwicklung, der Bildungsinfrastruktur oder anderen Bereichen des täglichen Lebens. Nach fast einem Jahrzehnt digitaler Ambitionen ist es daher legitim, eine einfache Frage zu stellen: Wo sind die sichtbaren Ergebnisse, die den erheblichen Aufwand und die Investitionen rechtfertigen? Solange diese Antwort für viele Bürger nicht erkennbar ist, wird die Diskussion über Sinn, Nutzen und Prioritäten solcher Projekte weitergehen.