Wer durch die Dormagener Innenstadt schlendert, könnte den Eindruck gewinnen, dass es bei der Vergabe von Ladenlokalen nur eine Handvoll Geschäftsmodelle gibt. Kaum steht ein Laden leer, dauert es meist nicht lange, bis dort der nächste Barber-Shop, Friseursalon, Handyladen, Nagelstudio, Döner-Imbiss, eine Shisha-Bar oder – ganz aktuell – ein weiterer Dampfershop eröffnet.
Natürlich haben all diese Geschäfte ihre Kundschaft und ihre Berechtigung. Daran besteht kein Zweifel. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Ist das wirklich die Vielfalt, die sich viele Bürgerinnen und Bürger für ihre Innenstadt wünschen?
Eine lebendige Einkaufsstadt lebt von Abwechslung. Buchhandlungen, Fachgeschäfte, Spielwaren, Modeboutiquen, Geschenkartikel, Cafés, Feinkost, kreative Konzepte oder inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte machen eine Innenstadt attraktiv und laden zum Bummeln ein. Genau diese Vielfalt scheint in Dormagen jedoch immer mehr verloren zu gehen.
Für viele Dormagener wirkt es inzwischen fast schon wie ein Running Gag: Wird ein Ladenlokal frei, darf geraten werden, was diesmal einzieht. Die Auswahl ist überschaubar. Ein neuer Barber-Shop? Ein weiterer Friseur? Vielleicht doch wieder ein Handyladen oder eine Dönerbude? Die Spannung hält sich inzwischen in Grenzen.
Dabei stellt sich die Frage, welche Rolle die SWD – Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen – bei dieser Entwicklung spielt. Schließlich wird sie aus öffentlichen Mitteln finanziert und hat unter anderem die Aufgabe, den Wirtschaftsstandort Dormagen zu stärken und die Innenstadt attraktiver zu gestalten.
Viele Bürger würden sich wünschen, dass die Bemühungen stärker darauf ausgerichtet werden, neue und abwechslungsreiche Geschäftskonzepte nach Dormagen zu holen. Denn eine attraktive Innenstadt entsteht nicht dadurch, dass immer mehr Geschäfte derselben Art eröffnen. Sie lebt von Vielfalt, Individualität und Angeboten, die Menschen auch aus den umliegenden Städten zum Einkaufen einladen.
Natürlich ist Wirtschaftsförderung kein einfaches Geschäft. Nicht jeder Interessent entscheidet sich für Dormagen, und nicht jede Branche lässt sich gezielt ansiedeln. Dennoch darf die Frage erlaubt sein, ob die derzeitige Entwicklung wirklich dem Anspruch einer modernen und lebendigen Innenstadt gerecht wird.
Dormagen hat viel Potenzial. Eine gute Lage zwischen Köln und Düsseldorf, eine wachsende Bevölkerung und viele engagierte Menschen bieten beste Voraussetzungen. Umso bedauerlicher ist es, wenn das Stadtbild zunehmend eintönig wirkt und sich das Angebot in den Einkaufsstraßen immer ähnlicher wird.
Vielleicht wäre es an der Zeit, neue Ideen zu entwickeln, aktiv auf innovative Händler zuzugehen und Anreize für Geschäfte zu schaffen, die das Angebot tatsächlich bereichern. Denn eine Stadt gewinnt nicht an Attraktivität durch die Anzahl ihrer Barber-Shops oder Dampfershops, sondern durch eine abwechslungsreiche Mischung, die zum Verweilen, Einkaufen und Entdecken einlädt.
Die Dormagener Innenstadt hätte jedenfalls deutlich mehr zu bieten – wenn man ihr die Chance dazu gibt.
