Rücksichtslos auf zwei Rädern?

Warum viele e-Bike-Fahrer den öffentlichen Raum zur Rennstrecke machen.

Radwege und gemeinsame Fuß- und Radwege sollen eines ermöglichen: ein sicheres und respektvolles Miteinander. Doch genau dieses Miteinander scheint im Alltag zunehmend verloren zu gehen – insbesondere durch das Verhalten vieler e-Bike-Fahrer.

Immer häufiger entsteht der Eindruck, dass einige Nutzer motorunterstützter Fahrräder öffentliche Wege mit Rennstrecken verwechseln. Hohe Geschwindigkeiten, dichtes Vorbeifahren und fehlende Rücksicht auf Fußgänger gehören inzwischen vielerorts zum Alltag. Besonders problematisch wird dies dort, wo sich Radfahrer und Fußgänger denselben Weg teilen müssen.

Dabei ist die Gefahr keineswegs zu unterschätzen. Ein e-Bike bringt deutlich mehr Gewicht auf die Straße als ein herkömmliches Fahrrad und erreicht mit wenig Kraftaufwand hohe Geschwindigkeiten. Entsprechend verlängert sich auch der Bremsweg. Kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem Fußgänger – vielleicht sogar mit Kindern oder Tieren – können die Folgen gravierend sein.

Dass es auch anders geht, zeigt der normale Menschenverstand. Wer verantwortungsvoll unterwegs ist, reduziert seine Geschwindigkeit, sobald Fußgänger in Sicht kommen, macht sich bemerkbar und rechnet jederzeit damit, dass jemand plötzlich die Richtung wechselt. Genau das sollte auf gemeinsam genutzten Wegen selbstverständlich sein.

Besonders Hundehalter erleben jedoch täglich das Gegenteil: e-Bike-Fahrer rauschen nahezu ungebremst vorbei, oft ohne Klingeln, ohne Abstand und ohne jede erkennbare Vorsicht. Dabei reicht häufig schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – ein Hund bewegt sich zur Seite, ein Fußgänger dreht sich um – und aus einem harmlosen Spaziergang wird ein schwerer Unfall.

Am Ende ist das Entsetzen nach einem Crash groß. Doch Prävention wäre denkbar einfach: weniger Tempo, mehr Aufmerksamkeit und ein Mindestmaß an Rücksicht. Niemand verlangt, das Fahrrad zu schieben. Aber öffentliche Wege sind kein Ort für Geschwindigkeitsrausch und Egoismus.

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass manche e-Bike-Fahrer einen Gang zurückschalten – nicht technisch, sondern menschlich.

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