Die Stadt Dormagen plant die Umgestaltung des Gneisenauplatzes. Kostenpunkt: Rund 400.000 Euro Steuergeld. Begründet wird das Vorhaben unter anderem mit einer Verbesserung des Stadtklimas. Doch genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Diskussion.
Denn der Gneisenauplatz ist keineswegs eine versiegelte Betonwüste, die dringend einer Klimasanierung bedarf. Der Platz existiert seit Jahrzehnten. Bereits seit über 60 Jahren befindet sich dort ein Springbrunnen, der – wenn auch nicht immer in Betrieb – schon heute Wasser und Aufenthaltsqualität bietet. Die grundlegende Infrastruktur ist also vorhanden.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Welche messbaren Verbesserungen sollen durch die geplante Umgestaltung tatsächlich erreicht werden?
Hat die Stadt Temperaturmessungen durchgeführt? Gibt es Klimagutachten? Wurden Hitzekarten erstellt, die belegen, dass genau dieser Platz ein Problem darstellt? Welche konkreten Werte sollen sich nach Abschluss der Baumaßnahme verbessern? Um wie viele Grad soll sich die Temperatur senken? Welche wissenschaftlichen Grundlagen liegen den politischen Entscheidungen zugrunde?
Bislang bleibt die Verwaltung auf diese Fragen Antworten schuldig.
Statt nachvollziehbarer Fakten entsteht der Eindruck, dass hier vor allem einem politischen Zeitgeist gefolgt wird. Unter dem Schlagwort „Klimaanpassung“ werden Projekte beschlossen, deren tatsächlicher Nutzen für die Bürger kaum nachvollziehbar ist. Kritik wird schnell als rückständig abgestempelt, obwohl sie sich auf eine ganz einfache Forderung beschränkt: Wer Steuergeld ausgibt, sollte den Nutzen auch belegen können.
Besonders fragwürdig wird das Vorhaben angesichts der finanziellen Lage. Rund 400.000 Euro sollen investiert werden – verbunden mit der Hoffnung auf Fördermittel. Doch genau diese Förderprogramme stehen vielerorts auf dem Prüfstand oder wurden bereits gekürzt. Nordrhein-Westfalen kämpft mit erheblichen Haushaltsproblemen, der Bund finanziert einen großen Teil seiner Ausgaben über neue Schulden.
Ist es unter diesen Voraussetzungen wirklich verantwortungsvoll, einen funktionierenden Platz komplett neu zu gestalten?
Niemand bestreitet, dass öffentliche Plätze gepflegt und modernisiert werden müssen. Doch warum wird nicht auf das gesetzt, was bereits vorhanden ist? Der Brunnen könnte instand gesetzt werden, vorhandene Flächen könnten saniert und Grünanlagen gepflegt werden. Das wäre wirtschaftlich, nachhaltig und deutlich günstiger.
Stattdessen soll offenbar möglichst viel neu gebaut werden – unabhängig davon, ob dies tatsächlich notwendig ist oder nicht.
Die politische Mehrheit aus SPD und Grünen kann solche Projekte im Stadtrat problemlos beschließen. Genau deshalb trägt sie aber auch die Verantwortung dafür, den Bürgern zu erklären, warum fast eine halbe Million Euro in einen Platz fließen soll, dessen Nutzen bereits heute gegeben ist.
Steuergeld ist kein Selbstbedienungsladen. Es stammt von den Menschen, die jeden Tag arbeiten, Unternehmen führen und ihre Abgaben leisten. Gerade in Zeiten knapper Kassen muss jede Investition kritisch hinterfragt werden.
Wer behauptet, eine Baumaßnahme verbessere das Stadtklima, sollte dafür belastbare Daten liefern – nicht bloß politische Schlagworte.
Die Bürger Dormagens haben Anspruch auf Transparenz, nachvollziehbare Entscheidungen und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Geld. Beim Gneisenauplatz drängt sich derzeit jedoch eher der Eindruck auf, dass politische Symbolik wichtiger ist als nachweisbarer Nutzen.
Deshalb bleibt am Ende eine einfache Frage offen:
Wo sind die Fakten, die diese Investition rechtfertigen?
